Gepostet am 8. März 2019

Industrie 4.0 und die neuen Herausforderungen für Ingenieure

Ursprünglich eine Marketingbenennung der Bundesregierung hat sich der Begriff „Industrie 4.0“ in vielen Medien durchgesetzt, weil er eine tatsächliche Entwicklung werbewirksam benennt. Ob es sich um den proklamierten Quantensprung oder „nur“ um einen weiteren kräftigen Schub handelt, bleibt umstritten.

Was bedeutet die 4 in Industrie 4.0?

Die Ziffer 4 soll zeigen, dass nun die vierte industrielle Revolution beginne:
Die erste industrielle Revolution basierte auf der Mechanisierung mittels Wasserkraft und Dampfkraft.
Die zweite industrielle Revolution war zu Anfang geprägt durch den Aufstieg der Chemischen und der Elektroindustrie. Später wurde sie weiter vorangetrieben durch Massenproduktion zum Beispiel mittels Fließbändern und befeuert durch breite Elektrifizierung.
Die dritte industrielle Revolution wird oft auch digitale Revolution genannt. Sie initiierte den Einsatz von Elektronik und IT zur Automatisierung zahlreicher Prozesse.
Technische Grundlage für die seit der Hannover Messe 2011 ausgerufene Industrie 4.0 ist die extrem enge Verzahnung der Industrieproduktion mit modernen Informations- und Kommunikationstechniken. Dies wirkt revolutionierend auf die gesamte Wertschöpfungskette. Wichtig wird die Ausstattung von Maschinen und Elektronik mit immer mehr Sensoren. Alles wird erfassbar und abbildbar. Nahezu jeder und alles – auch die Dinge selbst untereinander -, können im „Internet der Dinge“, im Intranet und im „normalen“ Internet miteinander kommunizieren. Immer mehr Daten werden ausgetauscht und ausgewertet.
Kritiker verweisen darauf, dass Grundvoraussetzung der Industrie 4.0 die Mikroelektronik bleibe. Diese war aber schon Basis der digitalen Revolution (also der dritten industriellen Revolution). Laut Ansicht dieser Kritiker sind deshalb Bezeichnungen wie „zweite Phase der Digitalisierung“ korrekter. Folgt man dieser Auffassung, wäre also „Industrie 3b.0“(nicht ganz ernst gemeinter Vorschlag der Westhouse Redaktion) treffender. Doch das ist natürlich nicht so schick.

Was erwartet die Ingenieure durch Industrie 4.0?

Gleich ob man von Industrie 4.0 oder von zweiter Phase der digitalen Revolution spricht: Dass sich jetzt und in Zukunft viel ändert, darüber ist man sich einig.
Dazu gehören dezentrale Entscheidungen: Systeme, zum Beispiel eine Maschine oder eine ganze Produktionsstraße, werden in die Lage versetzt, autonom zu produzieren und selbständig zu entscheiden. Nur in Ausnahmefällen müssen höhere IT-„Instanzen“ oder der Mensch eingreifen.
Um diese komplexen Prozesse zu planen und zu initiieren brauchen Ingenieure folglich noch mehr Wissen rund um Elektronik, Computer- und Regelungstechnik. IT-Kenntnisse sind vielfach schon heute bei der Planung, der Herstellung und Wartung technischer Prozesse und Produkte unverzichtbar. Mechanik und Elektronik werden in Zukunft aber noch inniger miteinander verwoben.

Mechanische, elektrische und informationstechnische Ansätze verschmelzen.

Das geschieht bereits seit Längerem auch in der Ausbildung. In Deutschland gibt es rund 25 Hochschulen, an denen Mechatronik studiert werden kann. Doch auch Absolventen der klassischen Ingenieursdisziplinen, wie Maschinenbauer, müssen sich darauf einstellen, dass Produktion und Informatik immer mehr verbandeln. Ingenieure, die Fachwissen in Regeltechnik und IT mitbringen, sind klar im Vorteil. Gleiches gilt umgekehrt für Softwareingenieure und Programmierer, die mechanische Vorgänge durchdringen.
Natürlich kann nicht jeder alles können. Unverzichtbar aber wird die Fähigkeit, sich mit den Ingenieuren und Experten der jeweils anderen Fachrichtungen zu verständigen. Aufgaben sollten verständlich umrissen werden können. Denn nur der produktive Austausch der einzelnen Ingenieurs- und IT-Disziplinen kann den postulierten Durchbruch der Industrie 4.0 in der täglichen Planungspraxis bewirken.

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